Chatzimarkakis Dissertations

Mittwoch, 13.07.2011, 17:57

Jorgo Chatzimarkakis hat die Vorwürfe immer vehement bestritten. Doch für die Uni Bonn ist klar, dass die Doktorarbeit des FDP-Europaabgeordneten ein Plagiat ist. Mehr als die Hälfte der Dissertation stammt aus fremden Federn.

Nach Silvana Koch-Mehrin haben die Plagiatsjäger von Vroniplag ihr nächstes Opfer zu Fall gebracht. Mit Jorgo Chatzimarkakis erwischte es erneut einen Politiker-Doktor aus der FDP.

Sein Fall wiegt besonders schwer. Chatzimarkakis hatte seit dem Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe gegen ihn ein Fehlverhalten immer vehement bestritten. Nun muss man ihn an seinen Aussagen aus dieser Zeit messen.

Es geht um mehr als eine Politikerkarriere


Bei der abgeschriebenen Doktorarbeit geht es für Jorgo Chatzimarkakis um mehr als seine Politikerkarriere. Für ihn war es als erster seiner Familie mit der Chance auf eine wissenschaftliche Karriere eine Frage der privaten Ehre. Dass er seinem toten Großvater die ausgedruckte Doktorarbeit mit ins Grab legte, zeigt welch hohen Stellenwert die Arbeit für den Politiker persönlich hatte.

Auf dem FDP-Parteitag vor rund zwei Monaten nahm Chatzimarkakis die Plagiatsjäger von Vroniplag im Fall von Silvana Koch-Mehrin noch in Schutz. Politiker hätten eine Vorbildfunktion und müssten hohe moralische Ansprüche an sich selbst anlegen. Reportern von RTL-Extra sagte er: „Wenn sie es ernst meinen, dann werden sie noch viele andere Dissertationen durchschauen, und wer weiß, wo das dann endet.“ Jetzt ist klar, dass ausgerechnet er das nächste Opfer ist.

Chatzimarkakis war im Vorfeld noch voller Hoffnung


Dabei hatte Chatzimarkakis seine Dissertation geprüft und gibt an, nach dieser Prüfung „recht froh“ über seine Arbeit gewesen zu sein. Auch im ARD-Talk bei „Anne Will“, dessen Titel „Die Blender-Republik – wie weit kommt frech?“ bereits auf die heutige Entscheidung hingedeutet hat, gab er an: „Ich habe gute Gründe für positives Denken.“

Doch die Universität zu Bonn gab nun bekannt: Jorgo Chatzimarkakis wird der Doktortitel entzogen.

Sauberes wissenschaftliches Arbeiten sieht anders aus


Chatzimarkakis war einer der ersten, die ihre Doktorarbeit „Informationeller Globalismus – Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik am Beispiel des Elektronischen Geschäftsverkehrs“ online zur Verfügung stellten. Sie ist auf der Homepage der Uni Bonn einsehbar.

Der Vorwurf der Internetseite Vroniplag wiegt schwer: Auf 72 Prozent der Seiten fanden sich Plagiate. Chatzimarkakis hat zum Beispiel einen Artikel aus der „FAZ“ in großen Teilen wörtlich übernommen, ohne ihn als Zitat zu kennzeichnen. Am Seitenende verweist der Politiker lediglich in einer Fußnote auf die Quelle. Sauberes wissenschaftliches Arbeiten sieht anders aus.

Kopiert und neu zusammengeschrieben

Spätestens im ersten Semester lernt jeder Student, dass ein Zitat mit Anführungszeichen kenntlich gemacht werden muss. Denn ein Zitat ist nur dann ein Zitat, wenn es einen Anfang und ein Ende hat. Chatzimarkakis hingegen kopierte einfach lange Textblöcke zusammen und setzte an den letzten Satz seiner Übernahme die Fußnote.

Ungenaues wissenschaftliches Arbeiten? Das sei nicht der Fall, verteidigt sich der Politiker im ARD-Talk bei Anne Will. Für seine Ausrede beruft er sich auf die Elite-Universität Oxford. Hier war er zu einem Forschungsaufenthalt in den 1995 und stellte wie aus heiterem Himmel fest: „In Großbritannien formulieren die irgendwie anders: Die benutzen das Intertextualisieren, also das Lesbar machen von Texten.“

„Wissenschaftliche Texte sind sperrig“

Für Chatzimarkakis hatte das Sinn: „Wissenschaftliche Texte sind ja gerade durch dieses Einrücken und dieses Zitieren manchmal sehr sperrig.“

Die Uni Bonn widerspricht eindeutig: „Eine solche Praxis vermittelt den Eindruck, dass hier Herr Chatzimarkakis spricht, während in Wirklichkeit Texte anderer Autoren reproduziert werden“, erklärte der Dekan der Philosophischen Fakultät, Günther Schulz.

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Eine kritische Auseinandersetzung mit der Dissertation von Georgios Chatzimarkakis: Informationeller Globalismus. Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik am Beispiel des Elektronischen Geschäftsverkehrs

Inauguraldissertation zur Erlangung der Doktorwürde. Vorgelegt der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn. Tag der mündlichen Prüfung: 9. Februar 2000. Gutachter: Prof. Dr. Detlev Karsten, Prof. Dr. Uwe Holtz. Veröffentlicht: Bonn 2000. → Nachweis Deutsche Nationalbibliothek, → Download ULB Bonn

13. Juli 2011: Bekanntgabe Aberkennung des Doktorgrades. → Pressemitteilung der Universität Bonn
22. März 2012: Abweisung der Anfechtungsklage. → Urteil des Verwaltungsgerichts Köln, 6 K 6097/11
24. März 2015: Ablehnung der Zulassung der Berufung. → Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen, 19 A 1111/12

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